Banken und Zahlungsdienstleister haben eine bemerkenswerte Initiative gestartet, um bargeldorientierte Händler auf die digitale Seite zu ziehen.
Offenbar gibt es in Deutschland eine beträchtliche Anzahl von Händlern, die bisher jeder digitalen Versuchung widerstanden haben und nur Bargeld als Zahlungsmittel akzeptieren. Banken und Zahlungsdienstleister adressieren eine Intiative an diese Gruppe und laden sie zu einem digitalen Schnupper-Jahr ein.
Nach Berechnungen von EY steigt auch in Deutschland der Anteil von Kartenzahlungen an durchschnittlichen Haushaltsausgaben seit Jahren an, aber offenbar viel langsamer im Vergleich zu anderen Ländern.
Frankreich schafft heute gut 52 Prozent, die EU-Quote liegt bei starken 48 Prozent – in Deutschland werden Ausgaben nur zu 25.8 Prozent über Karten bezahlt.
Diese schleppende Entwicklung ist Kartenorganisationen, Banken und Dienstleistern mit digitalen Zahlungslösungen natürlich ein Dorn im Auge. Bargeldzahlungen stehen im Widerspruch zu ihren Geschäftsmodellen und generieren keine Erträge.
Offenbar liegt der missliche Rückstand Deutschlands nicht nur an renitenten Konsumentinnen und Konsumenten, sondern auch an widerborstigen Händlern, die von ihren Kunden nur Bares sehen wollen und keine digitalen Zahlungen akzeptieren.
Deutschland zahlt digital
Mit der Initiative "Deutschland zahlt digital" ist die Zielmarke auch gleich beschrieben. Die Initiatoren und Unterstützer der initiative wollen bisher abstinente Händler auf digitale Pfade führen – und das lassen sie sich auch etwas kosten.
Das Angebot der Initiatoren: Händler und Dienstleister, die in ihrem Geschäft bisher nur Bargeld annehmen, können ein Jahr lang ausprobieren, wie ihre Kundinnen und Kunden bargeldlose Zahlungsoptionen nutzen – und das komplett kostenfrei.
Gratis Terminal und Installation, null Transaktionsgebühren
Der ausgeworfene Lockstoff liest sich verführerisch: Sämtliche Terminal- und Installationskosten wie auch die Transaktionsgebühren für ein Jahr werden übernommen – keinerlei Kosten für Händler.
Carlos Gómez-Sáez, CEO von VR Payment, sagt: «Vor allem kleine Händler und Dienstleister haben noch Bedenken hinsichtlich der Kosten und des Aufwandes, die mit der Einführung bargeldloser Bezahloptionen verbunden sein können».
Mit der bemerkenswerten Initiative lassen sich diese Bedenken ausräumen, zumindest für ein Jahr.
Eine flächendeckende Akzeptanz digitaler Zahlungsmethoden ist nicht nur im Interesse der Verbraucher, die beim Bezahlen echte Wahlfreiheit wünschen, argumentieren die Initiatoren. Händler erschliessen damit neue Wachstums- und Umsatzpotenziale, wie mehrere Studien zeigen.
2024 nutzten 98 Prozent der Deutschen digitales Bezahlen und 40 Prozent verliessen bei fehlender Möglichkeit, mit Karte oder Smartphone zu zahlen, das Geschäft oder gingen erst gar nicht hinein.
"Deutschland zahlt digital" fasst zusammen: Bargeldlose Bezahloptionen steigern demnach die Kundenzufriedenheit, fördern höhere Umsätze und optimieren Geschäftsabläufe. Ob Händler nach ihrem Schnupper-Jahr das auch so sehen und zum dauerhaften digitalen Bezahlen konvertieren, wird sich zeigen.