Für Startups in der Schweiz ist die Beschaffung von Risikokapital schwieriger geworden – das gilt insbesondere für FinTechs. Letztes Jahr sind noch 206 Millionen Franken in Schweizer FinTechs geflossen, das ist gerade mal die Hälfte des Volumens im Rekordjahr 2022.
Abgesehen von wenigen Sektoren wie Healthcare IT oder Biotech fahren neben FinTechs jedoch auch Startups aus anderen Branchen an der kürzer gehaltenen Finanzierungs-Leine. Nach aktuellen Zahlen des Swiss Venture Capital Reports sind die Investitionen in Schweizer Startups 2024 im Vergleich zum Vorjahr erneut um 8.5 Prozent zurückgegangen. Das Investitions-Volumen lag insgesamt bei knapp 2.4 Milliarden Franken. Im Rekordjahr 2022 sind noch rund 4 Milliarden Franken geflossen.
Diese angespannte Situation trägt mit dazu bei, dass die Schiene Crowdinvesting von FinTechs und anderen Startups in den letzten Jahren vermehrt und stärker befahren worden ist. Mit Kampagnen, die teilweise sehr erfolgreich abgeschlossen werden konnten.
Klassische VC-Finanzierungsrunden gibt's natürlich weiterhin. Im kleiner gewordenen Rahmen kommen jedoch weniger FinTechs und Startups zum Zug, die sich über diesen Weg finanzieren können.
Das Schweizer FinTech Amnis gehört zu den Auserwählten
Zu den FinTechs, die sich erfolgreich über VC-Finanzierung frisches Kapital sichern konnten, gehört das Zürcher FinTech Amnis. Das 2014 gegründete Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, den internationalen Handel für kleine und mittelständische Unternehmen zu vereinfachen. Ein Markt, der nach Beobachtungen der Gründer von traditionellen Banken häufig unzureichend bedient wird.
Diese erkannte Lücke füllt Amnis und bietet kleinen und mittelgrossen Unternehmen transparente Währungswechsel, grenzüberschreitende und lokale Zahlungen, Echtzeit-Überweisungen sowie lokale Konten in CHF, EUR, GBP und USD. Dazu Multiwährungs-Debitkarten, die kleinen Betrieben bis hin zu multinationalen Teams eine effiziente und unkomplizierte Lösung zur Verwaltung globaler Ausgaben und zur Abwicklung von Transaktionen in jeder beliebigen Währung bieten.
Seine Services hat das FinTech in verschiedene Abo-Modelle mit unterschiedlichen Leistungen verpackt, die zwischen kostenlos und 199 Franken pro Monat angesiedelt sind.
Amnis hat sich 10 Millionen Franken gesichert
Das FinTech Amnis hat sich letztmals 2022 in einer Series-A-Finanzierungsrunde 8.6 Millionen Franken frisches Kapital beschafft.
Jetzt hat das Zürcher Unternehmen mit weiteren Standorten in Vaduz, Wien, Amsterdam und Prag nachgelegt und seine Series-B-Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Amnis hat in dieser Runde 10 Millionen Franken eingesammelt.
Angeführt wurde die Runde von Swisscom Ventures und auch bestehende Investoren haben sich beteiligt, darunter Co-Investor Lansdowne Investment Company. Im Rahmen dieser Finanzierung sicherte sich Amnis zudem Fremdkapital in Höhe von 2 Millionen Franken von Lendity, einem Schweizer Growth-Capital-Investor.
Diese strategische Ergänzung soll die Finanzierung von Amnis diversifizieren und zusätzliche Flexibilität für das weitere Wachstum bieten.
Heute arbeiten bereits mehr als 3'000 Unternehmen in über 35 Ländern mit Amnis. Mit dem Kapital aus der aktuellen Finanzierungsrunde will das FinTech seine Marktposition in bestehenden Ländern stärken. Zudem plant das Unternehmen den Markteintritt in weitere europäische Länder sowie die Erweiterung seiner Dienstleistungen. Im Fokus stehen unter anderem E-Commerce-Lösungen und zusätzliche Integrationen von Drittsystemen.
Rochaden im Verwaltungsrat
Mit der Finanzierungsrunde gibt's auch Veränderungen im Verwaltungsrat. Peter Gerlach wurde zum neuen VR-Präsidenten ernannt. Seine umfassende Erfahrung soll mithelfen, das Unternehmen in die nächste Wachstumsphase zu führen.
Zusätzlich nimmt Semih Kaçan, Investment Director bei Swisscom Ventures, Einsitz in den Verwaltungsrat von Amnis. Gleichzeitig treten die beiden Mitgründer Robert Bloch und Philippe Christen aus dem VR zurück, werden aber weiterhin ihre angestammten Rollen als COO und CFO besetzen.