Neo-Banken

Warum glaubt dieser Mann, Revolut könnte in der Schweiz die Nummer eins werden?

Julian Biegmann, General Manager Schweiz bei Revolut
Julian Biegmann, General Manager Schweiz bei Revolut (Bild: Revolut)

Vielleicht deshalb, weil Revolut unter den Schweizer Neo-Banken schon die Nummer eins ist. Und die Distanz zu den klassischen Grossen ist kleiner geworden.

Vor einigen Jahren hielt ein Mann Vorträge an europäischen Finanzkongressen, auch in der Schweiz, um das exotische Konzept einer Challenger-Bank vorzustellen. Dieser Mann war Nikolay Storonsky, der Gründer von Revolut.

Immer am Ende seines Vortrags verteilte Storonsky Debitkarten, mit denen man im Ausland zu fairen Wechselkursen und ohne Fremdwährungszuschläge viel günstiger reisen konnte.

Die Branche lächelte milde ob so viel Enthusiasmus, gab der Idee einer Challenger-Bank geringe Chancen, bediente sich aber gerne an den kostenlosen Karten.

Schnitt: Acht Jahre später

Die Idee der Challenger- und Neo-Banken hat sich durchgesetzt. Storonskys Revolut ist in der Schweiz der Platzhirsch der Neo-Banken. Bis vor einigen Monaten ohne eigenes Büro in der Schweiz, ohne Bankbewilligung, ohne Werbung, ohne direkte Sichtbarkeit, eigentlich ohne alles. Einfach so. In der Schweiz hat das Konzept eingeschlagen und ist als Selbstläufer in die Breite gegangen. 

Durchgesetzt und Platzhirsch bedeutet: Revolut hat heute 1 Million Kundinnen und Kunden in der Schweiz – neben insgesamt über 50 Millionen Nutzerinnen und Nutzer weltweit. Revolut ist die Neo-Bank mit dem breitesten Angebot, die in den Bereichen Banking, Sparen und Investieren alles Wesentliche abdeckt.

Es begann mit einer simplen Karte und umfasst heute das Angebot einer Lifestyle-Universalbank. Und weil Revolut den Gipfel der ultimativen Super App erklimmen will, gehören zahlreiche Zusatzleistungen wie Versicherungen, Marktplatz, Shopping, Reise- und Hotelbuchungen und mehr dazu. Aufgebaut, aggressiv forciert und ausgerollt in zahlreichen internationalen Märkten innerhalb von wenigen Jahren.

Warum glaubt Julian Biegmann, Revolut könnte in der Schweiz die Nummer eins werden?

Julian Biegmann ist der General Manager Schweiz bei Revolut. Biegmann folgt einem Credo, das die Challenger-Bank immer schon hochgehalten hat: Revolut will in jedem Land, in dem das Unternehmen aktiv ist, die Nummer eins werden. 

Mit 1 Million Kundinnen und Kunden bedient Revolut heute jede sechste in der Schweiz wohnhafte Person im Alter zwischen 20 und 64 Jahren. Was sich nach Grossbank liest, ist immer noch eine Challenger-Bank. Eine allerdings mit grossen Ambitionen. 

Revolut ist der Platzhirsch unter den Schweizer Neo-Banken und hat 700'000 Kunden mehr als die Nummer zwei. Der Challenger misst sich jedoch weniger mit Neo-Banken, der formulierte Anspruch der Nummer eins zielt auf klassische Banken. Zieht man als Beispiel die Postfinance heran, fehlen Revolut noch 1.5 Millionen Kunden, um die gelbe Bank zu überrunden.

Was vor wenigen Jahren mit einer simplen Karten noch unmöglich schien, ist inzwischen in erreichbare Nähe gerückt. Revolut will nach eigenen Aussagen in der Schweiz pro Jahr um mindesten 250'000 Kunden wachsen. Klappt das, wäre die Challenger-Bank in sechs Jahren so gross wie heute die Postfinance, zumindest was die Zahl der Kundinnen und Kunden angeht.

Was tut Revolut, um zur Nummer eins in der Schweiz aufzusteigen?

Seit einigen Monaten ist Revolut (Switzerland) AG auch in Zürich zu Hause. Mit einer Repräsentanz für die Revolut Bank UAB und Revolut Securities Europe UAB. Die Challenger-Bank ist im Besitz der notwendigen FINMA-Bewilligungen, um aktiv in der Schweiz operieren zu dürfen.

Das Unternehmen denkt nach wie vor international, operiert jedoch national und lokal. So hat Revolut die Schweizer Kundenkonten alltagstauglich gemacht, zum Beispiel mit einer Schweizer IBAN und QR-Code-Zahlungen.

Im Bereich Investieren öffnet Revolut, neben Kryptowährungen, Edelmetallen und Rohstoffen, nun auch den Zugang zu Wertschriften, ETFs und Geldmarktfonds. Zudem sollen in den kommenden Wochen und Monaten weitere Produkte und Funktionen eingeführt werden, die auf Schweizer Kundinnen und Kunden zugeschnitten sind.

Die Entwicklung von der Reisekarte zum Schweizer Alltagskonto

Schweizer Revolut-Konten werden offenbar zunehmend stärker genutzt. Im Jahr 2024 stiegen die Anzahl der Transaktionen um 33 Prozent und das Transaktionsvolumen um 35 Prozent.

Bemerkenswert ist zudem, dass sich die Anzahl der Transaktionen von 27.7 Millionen im ersten Quartal 2024 auf inzwischen 53.1 Millionen im ersten Quartal 2025 nahezu verdoppelt hat.

Das Verhältnis von fast 50:50 zwischen inländischen und ausländischen Transaktionen unterstreicht die zunehmende Nutzung von Revolut für alltägliche Transaktionen in der Schweiz, wie zum Beispiel Lebensmitteleinkäufe und das Bezahlen von Rechnungen.

Das bedeutet: Die wichtigen Indikatoren zeigen nach oben und Revolut ist offenbar inzwischen im Zahlungs- und Banking-Alltag der Schweizerinnen und Schweizer angekommen. Von der Tendenz her dürfte sich dieses Verhalten weiterhin verstärken, weil Revolut schweizerisch agiert und Produkte ausrollen will, die für den Schweizer Markt gedacht und gemacht sind.

Sollte sich das kursierende Gerücht bestätigen, dass Revolut eine Schweizer Banklizenz beantragen will, wäre das ein zusätzlicher Katalysator. Damit würde sich das Feld der möglichen Angebote und Leistungen zusätzlich verbreitern.

Mit oder ohne Gerücht und Banklizenz, Revolut ist auf interessanten Pfaden unterwegs und rauscht neuerdings gewissermassen mit dem Schweizer Pass durch Helvetien.


Die Schweizer Neo-Banken-Landschaft im Überblick

Die Zusammenstellung der in der Schweiz aktiven Neo-Banken mit den jeweils zuletzt gemeldeten Nutzerzahlen vermittelt einen ungefähren Eindruck der aktuellen Grössenverhältnisse und Marktanteile.

Schweizer Neo-Banken Markteintritt Kunden insgesamt davon in der Schweiz
Alpian (F-ISPB) Oktober 2022 "ein paar Tausend" "ein paar Tausend"
Kaspar& März 2022 7'000 7'000
Key4 (UBS) Mai 2022 200'000 200'000
Neon März 2019 229'000 229'000
Radicant (BLKB) August 2023 10'000 10'000
Yapeal Juli 2020 keine Angaben keine Angaben
Yuh (Postfinance & Swissquote) Mai 2021 300'000 300'000
Zak (Bank Cler) März 2018 70'000 70'000
       
Ausländische Neo-Banken Markteintritt Kunden insgesamt davon in der Schweiz
N26 Schweiz 2019 8 Millionen keine Angaben
Revolut Schweiz 2017 50 Millionen 1'000'000
Wise März 2010 16 Millionen keine Angaben
Neo-Banken Verticals Markteintritt Kunden insgesamt davon in der Schweiz
Relio Oktober 2023 Angaben folgen Angaben folgen
Neo-Banken in Umwandlung      
CSX (Credit Suisse)
UBS plant keine eigenständige
Weiterführung der App
Oktober 2020 400'000 400'000
Coop Finance+ (Coop)
Coop plant keine eigenständige
Weiterführung der App
Oktober 2023 keine Angaben keine Angaben
       
Neo-Banken in Liquidation      
FlowBank
FINMA: Konkurs eröffnet am
13. Juni 2024
November 2020 keine Angaben keine Angaben
Swiss4
FINMA: Konkurs eröffnet am
4. März 2025
April 2024 keine Angaben keine Angaben

Hinweis der Redaktion: Neo-Banken, die ihre aktuellen Kundenzahlen nicht korrekt gespiegelt sehen, weil länger nicht kommuniziert, dürfen Letzteres jederzeit gerne nachholen, hier, damit Ersteres auf den neusten Stand gebracht werden kann.