E-ID

Die Digitale Identität E-ID der Schweiz ist Realität – jedenfalls fast

Smartphone-Ansichten mit der E-ID der Schweiz
Quelle: Bundesamt für Justiz

Der Weg zur Schweizer E-ID war lang und dornenreich. Jetzt steht die Elektronische Identität kurz vor der Ziellinie: die E-ID darf getestet werden.

Eine E-ID, die Elektronische Identität für Schweizerinnen und Schweizer, ist notwendig und praktisch. Zumindest in diesem Punkt sind sich fast alle einig. Danach hört's auf mit der Einigkeit. Die Meinungen über Ausgestaltung, Verantwortlichkeiten, Datenschutz und Nutzung gingen und gehen weit auseinander.

Deshalb ist die E-ID seit 2010 schon im Gespräch und auch Gegenstand von konkreten Projekten, allerdings: keine der Initiativen hat's geschafft, die Digitale Identität in der Schweiz Realität werden zu lassen. 

Blick in die Vergangenheit: Der dornenvolle Weg der E-ID

Anläufe zu einer digitalen Identität in der Schweiz gab's bereits mehrere. Die dornenvolle Geschichte der E-ID zwischen 2010 und 2024 haben wir in Kurzform mit den wesentlichen Stationen im Lexikon nachgezeichnet, hier zu lesen. Ein vorläufiges Ende hat die Geschichte am 7. März 2021 gefunden, als die Schweizer Bevölkerung das E-ID-Gesetz mit einer Mehrheit von 64.4 Prozent bachab geschickt hat.

Knackpunkt war damals, dass Bundesrat und Parlament durchdrücken wollten, dass die E-ID von privaten Unternehmen, sogenannten Identity Providers, ausgestellt wird. Was der Privatwirtschaft gut gefallen hat, ist von der Bevölkerung nicht goutiert worden. Im Zentrum standen Datenschutz-Bedenken, Schweizerinnen und Schweizer wollten die Ausstellung und Verwaltung ihrer digitalen Identität beim Staat und nicht bei Privaten angebunden haben.

Mit dem Entscheid des Volkes war das E-ID-Gesetz in der vorgeschlagenen Form vom Tisch – der Bundesrat war gezwungen, auf Feld 1 zurückzugehen.

Zurück in die Gegenwart: Was den Weg für die E-ID freigemacht hat

In seiner Sitzung vom 22. November 2023 hat der Bundesrat die Botschaft zum neuen Bundesgesetz über den elektronischen Identitätsnachweis und andere elektronische Nachweise verabschiedet (E-ID-Gesetz, BGEID). Diese Botschaft umfasst im Kern die folgenden Punkte:

Die E-ID soll vom Bund herausgegeben werden, den grösstmöglichen Schutz der persönlichen Daten gewährleisten, kostenlos und freiwillig sein. Der Bundesrat schlägt vor, dass die für den Betrieb der E-ID erforderliche Infrastruktur auch von kantonalen und kommunalen Behörden sowie von Privaten für die Ausstellung von elektronischen Nachweisen genutzt werden kann.

Das Parlament hat am 20. Dezember 2024 das E-ID-Gesetz verabschiedet und damit entschieden, dass der Bund den staatlich anerkannten elektronischen Identitätsnachweis (E-ID) einführen wird. Gleichzeitig soll der Bund die für den Betrieb der E-ID notwendige Vertrauensinfrastruktur aufbauen.

Die Elektronische Identität (E-ID) für die Schweizer Bevölkerung wird konkret und soll 2026 zur Verfügung stehen. 

Die Beta-Phase der E-ID: Die Öffentlichkeit ist zum Testen eingeladen

Ab sofort kann die Öffentlichkeit testen, wie die Elektronische Identität (E-ID) und andere elektronische Nachweise künftig eingesetzt werden können.

Der Bund stellt dazu eine kostenlose Testumgebung zur Verfügung. Private und Behörden können nun probeweise auf der Vertrauensinfrastruktur eigene elektronische Nachweise entwickeln und die Vorteile der E-ID nutzen. 

Die Bevölkerung in dieser Phase aktiv zu involviere, ist eine gute Entscheidung. Frühere Initiativen sind auch deshalb gescheitert, weil eine schlecht informierte Bevölkerung sich durch die E-ID-Pläne des Bundes weder mitgenommen noch angesprochen gefühlt hat.

Das soll dieses Mal anders laufen. Die Testumgebung und die darin angebotenen Dienstleistungen stehen allen Interessierten kostenlos zur Verfügung. Um das System testen zu können und seine eigene Beta-ID zu generieren, hat der Bund die notwendigen Smartphone Apps bereitgestellt. Alle Details und Links dazu hier:

Für Ausstellerinnen und Verifikatoren stehen auf GitHub und technische Spezifikationen zur Verfügung.

Wie geht's weiter mit der E-ID?

Bis zur Inbetriebnahme der E-ID und der Vertrauensinfrastruktur wird die Testumgebung laufend weiterentwickelt und das Nutzungsangebot soll sich vergrössern. Sämtliche Produkte werden als Open-Source-Software veröffentlicht und stehen Bevölkerung, Wirtschaft und Behörden kostenlos zur Verfügung.

Der Bund lädt die Öffentlichkeit ein, ihre Erfahrungen mitzuteilen und Verbesserungsvorschläge einzubringen.

Sollten keines der geplanten Referenden der Piratenpartei und der Bewegung Mass-Voll zustande kommen und den Fahrpplan bremsen, wird die E-ID 2026 der Schweizer Bevölkerung zur Verfügung stehen.